Auf einen Kaffee mit… Reza Ghasseminia und Oscar Wieland

Das erste Mal vergisst man nicht. Erst recht, wenn man bis zur allerletzten Sekunde um den Sieg zittern muss. Und redet lieber darüber, auch wenn inzwischen schon ein weiteres Spiel absolviert wurde. Ein Wechselbad der Gefühle hat Reza Ghasseminia und Oscar Wieland in der JBBL willkommen geheißen. Und wir stellen die beiden offiziell mit diesem Kaffeeinterview in unserem Verein vor. Basketball in allen seinen Facetten erwartet uns. Auf geht´s.

Im ersten Bundesliga-Spiel gegen Göttingen ist das Team besser gestartet, hat den Faden verloren, aufgeholt, gezittert und am Ende gejubelt. Wie habt ihr euch gefühlt?

Reza: Unglaublich stolz.

Oscar: Sehr froh. Vor allem, weil sich die Jungs tierisch gefreut haben. Wenn man zum Auftakt so ein knappes Spiel für sich entscheidet, bekommt man auch einen Motivationsschub.

Was behält man beim Auftaktspiel im Blick?

Reza: Alle müssen das Gefühl bekommen, auf dem Feld eine wichtige Rolle zu spielen und ihre Nervosität ins Positive umzuwandeln. Das gegenseitige Vertrauen entwickeln, egal ob es schlecht läuft oder gut. Die Spieler wissen, dass die Coaches Herr der Lage sind und sie sich dem Konzept unterordnen müssen.

Oscar: Im ersten Spiel setzt man ein Zeichen für die ganze Saison. Wenn die Einstellung stimmt, wenn das Team richtig Gas gibt, wenn Intensität und Teamplay vorhanden sind, hat man ein Spiel, worauf man in der Zukunft bauen kann. Es ist wichtig, dass das Fundament für die Saison gut geleg!t wird, damit dann das ganze Haus nach den gewünschten Prinzipien gebaut wird.

Trainer+CoTrainer=Liebesbeziehung?

Reza: Es muss definitiv eine harmonische und intensive Kommunikation vorhanden sein. Findet der Austausch zwischen Co-Trainer und Headcoach nicht statt, gibt es am Ende auch keinen Erfolg. Wenn es sich zu einer Liebesbeziehung entwickelt, wird meine Freundin etwas eifersüchtig werden, aber das muss sie dann mit Oscar klären (winkt und lacht). Aber ´nen Gutenachtkuss habe ich leider noch nicht von Oscar bekommen. (lacht)

Oscar: Ich kann mich nur anschließen – der guten Beziehung halber (lacht). Vieles erinnert an eine Liebesbeziehung: Man muss natürlich zwischenmenschlich passen sowie eine ähnliche Vorstellung haben. Die dritte Säule ist das gegenseitige Vertrauen: wenn es nicht da ist, wird dies aufs Team übertragen. Auf der anderen Seite sind Meinungsverschiedenheit und Kontrast wichtig, damit wir selbst und die Jungs zwei Sichten bekommen und die Informationen besser verarbeiten können. Telefonieren mit Reza tue ich tatsächlich häufiger als mit anderen Leuten. Dennoch hat das noch zu keinem Gute-Nacht-Kuss geführt: den muss er sich erst mal verdienen.

Euer erstes Date? hm… Treffen?

Reza: U14, Gruppenphase der Norddeutschen Meisterschaft 2014 in Oldenburg. Braunschweig gegen TuSLi. Ich war Trainer bei Braunschweig, Oscar bei TuSLi.

Oscar: Alles richtig. Reza hat nur eins „vergessen“: Wir haben das Spiel gewonnen und uns am Ende für die Zwischenrunde zum Final 4 qualifiziert, Braunschweig ist ausgeschieden. Auf das zweite Treffen haben wir dann ein Jahr warten müssen: als er nach Potsdam zog, haben wir uns ab und zu flüchtig gesehen. Und jetzt sitzen wir nebeneinander an der Seitenlinie.

Das ist euer erstes Jahr beim DBV Charlottenburg. Was sind eure bisherigen Stationen gewesen?

Reza:Ich habe mit sechs bei TKG Hannover mit Basketball angefangen und bin dann mit 14 nach München gezogen, wo ich bei DJK Sportbund München als Point Guard gespielt habe. Die dritte Station war Braunschweig. Eine entscheidende Phase, denn mit 18 wurde mir klar: ich will führen, lenken und Trainer werden, zumal ich als Spieler niemals vom Basketball hätte leben können. Ich bin diesem Traum und dieser Herausforderung zugleich nachgegangen und konnte dank Frank Lagerpusch rasch in der Welt des Leistungssports – von U10 bis U16 – Fuß fassen. Seit letzter Saison bin ich nun in Berlin. Ich bin sehr dankbar und stolz, dass Johannes Schwarz letztes Jahr mit mir in der JBBL von TuSLi zusammenarbeiten wollte. Auch der BBV hat mich immer inspiriert und motiviert, im Berlin zu bleiben. Mit Robert Bauer als Landestrainer ist man hier sehr gut aufgehoben, um sich weiter zu entwickeln, da er zu den besten Jugendtrainern in ganz Deutschland gehört.

Oscar: Basketball habe ich mit 12 kennengelernt. Ein Freund von mir hat mich zum Training überredet und die Sportart fand ich sofort geil (wo haben wir diese Geschichte schon gehört? Ah, hier!). Die Jugendteams habe ich beim Kooperationspartner RSV Eintracht Stahnsdorf durchlaufen und währenddessen auch beim SSC Südwest U20 und BAB mit Doppellizenz gespielt. Als ich „Herr“ wurde, bin ich zu TuSLi gewechselt, habe ein Jahr in der Schillerstraße unter Axel Rüber für die Spielgemeinschaft DBV/TuSLi gespielt und letztes Jahr ein tolles Jahr beim USV Potsdam erlebt. In dieser Saison teile ich mein Engagement zwischen TuSLi, wo ich noch in der 2. Regio spiele und die U12 trainiere, und der JBBL des DBV Charlottenburg. Meine Trainerkarriere hat übrigens in Lichterfelde angefangen, zunächst als Assistent von Johannes Schwarz und dann als Headcoach der U11 und später der U16/U18.

Und wie gefällt es dir nun beim DBV Charlottenburg?

Reza: Ich glaube, der DBV ist auf einem guten Weg ein Aushängeschild in Sachen Jugendbasketball zu werden, gespickt mit sehr vielen talentierten Trainern. Meine Trainerkollegen sind super sympathisch und mit Stephan McCollister hat man auch einen sehr guten Lehrer und Mentor. Im Großen und Ganzen fühle ich mich sehr wohl.

Oscar: Es gefällt mir gut. Was mir ins Auge sticht, ist dass sich die Teams untereinander sehr gut verstehen. Jeder Spieler ist hilfsbereit und will dabei sein zum Anfeuern, auch wenn er nicht spielen kann.

Dein Lieblingsspielzug?

Reza:Ich stehe auf sämtliche Alley-oop-Spielzüge. Ein Alley-oop ist wie die Jagd einer Raubkatze. Wenn es geschieht, kann man nichts tun. Nicht mal zuschauen, denn es passiert plötzlich und spielt sich hinter deinem Rücken ab.

Oscar:Hm, ich war nicht auf die Frage vorbereitet (alle lachen). Können wir nicht einfach weiter machen? (Na klar, keiner wird das erfahren, ndA)

Du kannst Dennis Schröder oder Dirk Nowitzki in deinen Kader holen. Für wen entscheidest du dich?

Reza: Dennis Schröder. Ihm kann man noch viel beibringen, sowohl sportlich als auch menschlich.

Oscar: Dann muss ich wohl Nowitzki picken (lacht). Seine Arbeitsmoral hat mich immer fasziniert: Er hat sich ein Ziel gesetzt und darin so viel Zeit und Kraft investiert, bis er es geschafft hat. Was er und seine Mavericks 2011 geleistet haben ist der absolute Hammer. So ein Triumph kann man ihm nur gönnen. Ein Vorbild für alle jungen Spieler.

Zurück nach Europa. Nach Berlin. Wie findest du die Stadt?

Reza: Berlin ist schön und aufregend. Und schmeckt. Ich glaube, ich habe mich hier in die Dönerläden verliebt.

Oscar: Die Stadt mag ich. Mir gefällt ihre Größe. Berlin ist – für eine Metropole – überschaubar. Paris kam mir viel größer und unübersichtlicher vor. Und mir gefällt ihre bunte Mischung: man begegnet allen Menschentypen, von den spießigen bis hin zu den Freaks und allem, was dazwischen ist.

oscar_reza_bericht_1Was ist besser in Berlin als in deinem Heimatort?

Reza: In Berlin gibt es einfach viel bessere Restaurants. Dennoch ist München einfach die schönste Stadt und ich fühle mich dort einfach noch wohler. Ich glaube, es gibt immer die eine Stadt, die dich prägt und wo du immer zurückkehrst, um Kraft zu tanken.

Oscar: Ich wurde in Berlin zwar geboren, aber habe 16 Jahre in Kleinmachnow gelebt. In Berlin ist der öffentliche Verkehr wesentlich besser (Oscar kam mit der Ringbahn, also hat Ahnung, ndA). In meiner Heimat musste ich oft nach dem Training eine Stunde auf den Bus oder gar eine Stunde nach Hause laufen, weil es trotzdem schneller ging.

Was nimmst du aus deiner Heimat mit?

Reza: Gute und preiswerte Brezeln. Die gibt es leider nicht so häufig in Berlin.

Oscar: Das Spielen im Grünen mit den Freunden. Das hat meine Jahre in Kleinmachnow geprägt. Und dieses Gefühl, wenn man mit jeder Ecke in der Stadt eine besondere Erinnerung verbindet. Das nenne ich Heimatgefühl.

Deine Lieblingsecke in Charlottenburg?

Reza: Ich bin noch nicht oft genug in Charlottenburg rumspaziert, deswegen liebe ich momentan nur die Sömmeringhalle.

Oscar: Der Schlosspark. Zum chillen und zum joggen.

Die Berliner gelten als Mecker-Könige. Was ärgert euch am meisten?

Reza: Die Deutsche Bahn! Warum? Das kann man sich glaube ich vorstellen. Zudem Menschen, die illoyal sind und sich nicht trauen, Sachen „Face-to-Face“ zu kommunizieren.

Oscar: Rücksichtslosigkeit stört mich extrem. Ein einfaches Beispiel: Menschen, die in die U-Bahn einsteigen wollen, ehe alle Fahrgäste ausgestiegen sind. Nur aus purem Egoismus.

Und was ärgert euch auf dem Spielfeld?

Reza: Am schlimmsten finde ich die Jungs, die beim Liniensprint plötzlich ihre Schuhe auf- und ganz zufällig wieder zumachen, so dass sie nicht mehr laufen müssen.

Oscar: Als Trainer nerven dich dumme, vermeidbare Fehler. Bin ich an der Seitenlinie, muss jeder Spieler mit Herz spielen, um mich zufriedenzustellen. Der Einsatz ist was zählt.

Das klingt schon nach Lebensphilosophie. Habt ihr sonst einen Lieblingsspruch?

Reza: Da habt ihr den Zitate-Gott gefragt (lacht). „Liebe ist nicht nur ein Wort, Liebe muss man Leben“.

Oscar: „Basketballschuhe sind für die Halle. Straßenschuhe für die Straße.“

Mit Basketball und Liebe geht unser Interview zu Ende. Das nächste Training ruft. Vielen Dank, Reza und Oscar. Es hat Spaß gemacht.

Oscar (Nachtrag): Bitte zeigt Einsatz! Ich freue mich über jeden, der sich Zeit für das Interview oder sogar einen lustigen Kommentar nimmt (das wird auf Facebook möglich). Ciao!