Montag, den 08. März 2010 um 09:35 Uhr
Über die aktuelle Situation im DBV sprach die DBV-online-Redaktion mit Vize-Vorstand Kai Zimmermann (33).
Die Saison steht kurz vor dem Ende. Wie würdest du die sportliche Lage insgesamt einschätzen?
"Das Ergebnis im Jugendbereich hat sicher unsere Erwartungen erfüllt. Vor allem die JBBL-Mannschaft legt ein prima erstes Jahr hin und zeigt in der Relegation gute Leistungen. Im Herrenbereich fällt die Zwischenbilanz dafür gemischt aus."
Genauer?
"Die erste Mannschaft hat trotz der jüngsten Niederlagenserie die Erwartungen bisher grundsätzlich erfüllt. Der zweite Platz kann immer noch erreicht werden, wenn das Team zu seinen Stärken zurückfindet. Ich bin da verhalten optimistisch."
Die letzten Leistungen haben aber nicht mehr gestimmt.
"Das stimmt. Nach dem Sieg gegen die Berlin Baskets haben einige vielleicht die Korken zu früh knallen lassen und gedacht, jetzt räumen wir jeden in der Liga locker zur Seite. Da hat die Einstellung auch im Training und im Spiel nicht mehr hundertprozentig gestimmt. Aber die Liga ist stärker geworden. Die Mannschaften sind eng zusammen, vor allem die fünf, sechs, oberen Teams. Wenn die Einstellung nicht stimmt, gibt es sofort auf die Mütze, das haben jetzt alle erkennen müssen. Wir haben uns ja fast freiwillig in diese Abwärtsspirale begeben, denn die Niederlage gegen Empor war total überflüssig. Da haben wir einiges an Selbstvertrauen eingebüßt, und dann fallen die Würfe plötzlich nicht mehr. Dieses Selbstvertrauen muss jetzt über die Verteidigung neu erarbeitet werden - anders geht es nicht. Ich bin mir aber sicher, dass Drazan die richtigen Worte finden wird. Wir müssen ja auch nicht Zweiter werden, das Saisonziel lautete: oben mitspielen. Aber ich gebe zu: Es wäre schade drum. Denn die Mannschaft hat die Klasse für Platz zwei, das steht für mich fest. Und der könnte diesmal für den Aufstieg ja reichen."
Die zweite Mannschaft in der Oberliga steht vor dem Abstieg. War es ein Fehler, dieses Team nicht mehr mit den Allstar-Routiniers zu bestücken, sondern mit jungen Spielern?
"Uns ist klar, dass das im Klub jetzt möglicherweise diskutiert wird. Wer ehrlich ist, der weiß aber, dass es keine Alternative gab. DBV braucht für seine Zukunft eine Mannschaft, in der junge Spieler, die nicht sofort Regionalliga spielen können, im Herrenbereich auch auf Leistungsniveau Erfahrungen sammeln können. Das hat jahrelang gefehlt. Das Korsett der Mannschaft, die im Sommer gestartet ist, war eigentlich absolut Oberliga-tauglich. Es gab aber einen Haufen Faktoren, die die Saison belastet haben. Die viel zu schwache Hinrunde war eine zu schwere Hypothek."
Welche Faktoren waren das?
"Es gab mehrere verletzte Schlüsselspieler, die kaum spielen konnten: Chris Schürmacher, der beste Guard-Verteidiger. Dazu Manu Zimmermann, der immer wieder krank wurde oder verletzt war. Roman von Glowacki kam später dazu und verließ das Team dann wieder. Alex Dabrowski und David Petsch, also beide Vierer, waren auch oft angeschlagen. So konnte sich kaum ein Team finden. Außerdem sind mehrere Spiele kurz vor dem Ende aus der Hand gegeben worden, das hat der Moral sehr geschadet. So verrückt es ist, wir waren fast immer konkurrenzfähig, haben aber eben zu viele Fehler in entscheidenden Situationen gemacht. Die jungen Spieler haben sich über die Saison dennoch entwickelt, Coach Pichlmayer hat einen guten Job gemacht, ihm ist kein Vorwurf zu machen."
Sondern?
"Zu viele routiniertere Leistungsträger haben ihre Form nicht regelmäßig erreicht. Das gilt auch für mich selbst."
Wie geht es jetzt weiter?
"Zunächst warten wir das Saisonende ab, wir wollen uns mit zwei Siegen verabschieden. Die Landesliga-Mannschaft kann noch Zweiter werden und könnte die Relegation für die Oberliga erreichen. Das sind dann zwei Spiele, da ist alles möglich. Ansonsten werden wir unseren Weg konsequent weitergehen. Der heißt: Eine junge Mannschaft spielt für DBV in der einen Landesliga, die andere routinierte in der anderen Staffel. Eine muss den Betriebsunfall dann reparieren uns wieder aufsteigen. Das hatten wir ja vor einigen Jahren auch schon mal. Die Oberliga war in dieser Saison - sofern ich das einschätzen kann - schon ziemlich stark. Aber unsere Spieler werden sich entwickeln und in der kommenden Saison wieder angreifen. Ein Abstieg bedroht kurzfristig nicht das ganze Konzept."
Wie siehst du die Entwicklung im Klub insgesamt?
"Grundsätzlich sieht es ganz gut aus. Wir haben jetzt - nach einigen Jahren hoffentlich wirklich - alle Altlasten enttarnt, die es zu finden galt. Viele Schulden waren im ersten Moment nicht erkennbar. Das gilt für den ganzen Finanzplan. Der war im Grunde nicht existent. Es gab auch keine funktionsfähige, belastbare Mitgliederliste, weil viele Karteileichen nicht mehr bezahlt haben. Das musste alles zusammengesucht werden. Da gebührt Uwe Schöttler ein großes Lob, der da viel geleistet hat. Dazu kam die Hallensituation, die sich im Herbst entspannt hat. Dadurch ist uns die größte Last von den Schultern genommen worden. Alle Spieler finden jetzt hervorragende Trainingsbedingungen vor. Es liegt an Ihnen, was daraus zu machen."
Daraus schließen wir: Es ist noch viel zu tun.
"Sehr viel, und das wird auch so bleiben. Unser Ziel ist es, den DBV wirklich wieder voll funktionsfähig zu machen - und zwar auf Leistungs- und auf Breitensportebene. An diesem Punkt sind wir noch nicht. Wir haben einige Etappenziele erreicht, es gibt eine funktionstüchtige Jugend- und Herrenstruktur, gute Trainer, Hallen, Bälle, Trikots, Ballwagen, eine Webseite, die noch weiter ausgebaut wird. Aber die Macher des Klubs sind darauf angewiesen, dass die Mitglieder, die das Klubleben ausmachen, sich am Klub noch mehr beteiligen. Wir haben etwa nach wie vor kein voll funktionsfähiges Schiri-Wesen, bei der Organisation unterlaufen uns zu viele Fehler, wir haben zu hohe Strafen. Das sind die Punkte, an denen wir jetzt weiter schrauben müssen. Wir müssen erst alle diese Punkte abgehakt haben - dann erst haben wir die Basis, die wir brauchen, um als Klub wieder den Stellenwert einzunehmen, der uns vorschwebt. Wir brauchen Zeit, aber von den Zielen, die wir formuliert haben, werden wir nicht abrücken: Stabilisierung des Klubs, dann Wachstum, sportlich auf jeden Fall mittelfristig 1. Regionalliga - mindestens. DBV ist nicht irgendein Basketball-Klub, wir haben Tradition, wir sind offenbar für andere Basketballer in der Stadt auch ein Reizwort. Das hat ja auch seinen Reiz."